Was du vor deinem ersten TfP-Shooting wissen solltest

TfP heisst “Time for Pictures” (früher einmal “Time for Print”) und bezeichnet ein Foto-Shooting bei dem ein “Fotomodell” seine Zeit einem “Fotografen” zur Verfügung stellt und als Gegenleistung Bilder von ihm erhält. TfP Shootings sind sehr populär bei Amateuren, Anfängern und Halbprofis; sie sind eine ideale Gelegenheit zum Üben, sowohl für Modell als auch Fotograf. Selbst unter bekannten Profis wird mehr auf TfP-Basis fotografiert als viele meinen.

Hier ein paar Punkte, die man aber beachten sollte, insbesondere wenn es dein erstes Mal ist…

  • Bei TfP-Shooting fliesst kein Geld: Das Modell muss nichts bezahlen für die Aufnahmen, bekommt umgekehrt aber auch keine Gage oder Aufwandentschädigung ausbezahlt. Weder Fotograf noch Modell (noch MUA) sollten mit den Bildern Geld verdienen; TfP-Shootings sind grundsätzlich eine nicht-kommerzielle Angelegenheit; es sind kleine “kreative Projekte”, “freie Arbeiten”, “Test-Shootings” etc.
  • TfP-Shootings sind nicht gratis: das Modell bezahlt zwar kein Geld, verliert aber die Kontrolle über die Bildrechte. Das heisst zum Beispiel, dass Bilder in inzwischen nicht mehr modischer Kleidung, mit zu starkem Makeup und sonderbaren Posen vielleicht in zehn Jahren noch auf dem Internet herumgeistern, wenn das Modell dann CEO einer internationalen Unternehmung geworden ist.
  • Die Bilder sind heutzutage fast immer digitale Bilder: also keine Papierabzüge. Dateiformat ist in den allermeisten Fällen JPG, selbst wenn der Fotograf ein anderes Format fotografiert (zum Beispiel RAW). Der Fotograf sollte eine realistische Frist nennen, innerhalb der er die Bilder dann auch liefert (es gibt da grosse Unterschiede). Und diese dann auch einhalten.
  •  Es arbeiten alle am gleichen Bildkonzept: Vor dem Shooting sollten alle sich über die Art der Bilder einig sein und das dann auch durchziehen. Am besten mit Beispielbildern arbeiten, auf Google und Pinterest gibt es Millionen von Bildern an denen man sich orientieren kann.
  • Kommunizieren und informieren: selbst kleinere Projekte brauchen oft stundenlange Vorbereitungszeit, erst recht wenn noch weitere Personen wie Assistenten, Stylisten und Makeup Spezialisten involviert sind. Sich einfach nicht mehr melden oder kurzfristig mit fadenscheinigen Gründen abmelden kommt gar nicht gut an. Die heute verfügbaren wunderbaren Kommunikationstechniken nutzen (zum Beispiel Group Chats). Man muss nicht immer gleich sofort antworten, es ist nicht verboten zu sagen: “Momentan im Stress, melde mich später”. Die Kommunikation geht auch weiter nach dem Shooting: Selbst wenn die Chemie nicht stimmte (was vorkommen kann), bringt Anstand und Höflichkeit meistens mehr (auch wenn es manchmal juckt jemandem die Leviten zu lesen oder ein paar fundamentale Irrtümer anzusprechen). Kommunikationsprobleme vor der Shooting führen dazu, dass viele Shootings nicht zustande kommen, weil das Modell zum Beispiel nicht in der Lage ist die gewünschten Angaben (Alter, Körpergrösse, aktuelle Bilder ohne Nachbearbeitung etc.) zu liefern oder schlicht und einfach die Ausschreibung nicht richtig gelesen hat.
  • Diskussionen mit den Eltern vor dem Shooting und nicht nachher: Minderjährige können auch an TfP-Shootings gehen, sollten dies aber mit den relevanten Erziehungsberechtigten vor einem Shooting besprechen. Diese Diskussionen braucht es bei Minderjährigkeit immer, egal ob Portraits oder Modeaufnahmen gemacht werden,
  • Begleitperson mitnehmen: Insbesondere beim ersten Mal und bei unbekannten Fotografen immer eine Vertrauensperson mitnehmen. Bewährt haben sich Freunde und Geschwister. Manchmal ist es auch Vater oder Mutter. Eher wenige bringen ihren Lebenspartner. Begleitperson ist auch wichtig, dass man sich weniger verkrampft fühlt vor der Kamera; Angst und Unsicherheit sehen meistens nicht so gut aus auf Bildern.
  • Nein sagen können: Auf das Bauchgefühl hören, aber auch den Kopf brauchen (zum Beispiel Informationen über Fotografen vor dem Shooting einholen, Ausschreibungen ganz lesen, nachfragen wenn etwas nicht klar). Wenn irgendetwas nicht stimmt, dann klar und deutlich Nein sagen und es dann auch tatsächlich durchziehen. Im Extremfall zusammenpacken und gehen.
  • Wer zu einem TfP-Shooting eingeladen wird, ist noch kein Fotomodell: Mit Modell meint man im Prinzip nur “Person vor der Kamera”. Der Fotograf ist entsprechend auch nur die “Person hinter der Kamera”. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Funktion der Beteiligten an einem Shooting, und sind keine Berufsbezeichnungen. Ein TfP-Shooting macht einem nicht automatisch zum Fotomodell, auch zwanzig TfP-Shootings nicht. Und TfP-Shooting sind keine Garantie für eine Karriere als Fotomodell.
  • TfP-Vertrag: Alle diese Punkte und vielleicht noch ein paar mehr sollten in einer schriftlichen Vereinbarung (“TfP-Vertrag”) festgehalten werden. Besteht keine Vereinbarung, ist das in erster Linie ein grosser Nachteil für das Modell. Verträge sollte man vor dem Shooting unbedingt lesen. Und zwar ganz. Bei Unklarheiten unbedingt nachfragen.

Viel Erfolg und gute Resultate!